Umzug!

Das neue Blog ist unter http://www.yanndiehl.de/ zu erreichen.

Der ewige K(r)ampf

Es ist traurig. Selbst mit dieser einfachen Seite ist der Internetexplorer, obwohl Produkt einer Firma, die es eigentlich besser wissen sollte, überfordert. Schade für alle, die ihn immernoch benutzen.

Meine Empfehlungen:



  
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Krankenhausgeschichten

Ich bin meiner Leserschaft (die hoffentlich noch existiert) eine Erklärung schuldig. Nur acht erbärmliche Posts im gesamten Monat Mai sprechen für sich (oder eben nicht).


Eigentlich sollte man meinen, ich hätte Zeit im Überfluss, sind doch meine Abiturprüfungen vorüber bzw. liegt nur noch eine vor mir, besuche ich seit 15. Mai doch die Schule nicht mehr und lege ich den Stress der letzten zwei Monate doch gerade erst ab.

Diverse Aktivitäten ließen ein regelmäßiges Bloggen leider trotz allem nicht zu und dafür bitte ich ergebenst um Nachsicht.

Hinzu kommt fataler Weise, dass sich mein Tag/Nacht-Rythmus drastisch verändert hat. Mein Tag geht nun von 13 bis vier Uhr und so passiert es mir regelmäßig, dass ich wie erschlagen in den frühen Morgenstunden vor meinem treuen Freund, dem Computer verweile und die Buchstabenkombinationen, die aus dem Fallen meines Kopfes auf die Tastatur resultieren, einfach keinen sinnvollen, verblogbaren Text ergeben wollen. 

So bleibt es mir derzeit nur, meinen Twitteraccount mit mehr oder weniger sinnvollen Tweets zu füttern und so meine Existenz im Internet weiterhin zu bestätigen.

Hinzu kommt der neue Countdown in der rechten Spalte des Blogs, der auf die restliche Lebenszeit des jungen Blogs verweist. Mit meinem anstehenden Umzug werde ich nämlich auch ein neues Blog eröffnen, ganz einfach weil die Thematik dieses Blogs nicht mehr passen wird. Ich hoffe natürlich inständig, dass auch meine Leser mit mir virtuell umziehen werden, ich habe bereits eine .de-Domain gesichert.

Trotzdem möchte ich die nächsten Tage diesem Blog wieder mehr Atem einhauchen, auch wenn es bereits an die Beatmungsmaschine gefesselt scheint.

Nachteulen (2)

Die Entscheidung, noch schnell einen Film auszuleihen und für den Rest der Nacht an der Matratze zu lauschen ist schnell gefallen. Wie so oft macht uns allerdings die Zeit einen Strich durch die Rechnung. Bereits seit einer Viertelstunde hat die Videothek unseres Vertrauens geschlossen.


Die Nacht ist noch relativ jung und es bleibt uns kaum eine Alternative, was letzten Endes dazu führt dass wir, pragmatisch wie wir sind, unsere Decke aus dem Auto holen und die Versammlungsfreiheit unter freiem Himmel schamlos ausnutzen. Der Parkplatz vor der Videothek ist unser neues Domizil (zumindest für die nächsten vier Stunden).

Vermummte Spaziergänger mit Hund und Anhänger eines bestimmten Musikgenres begegnen uns und nur wenige von ihnen schaffen es, ein vages "Hallo" durch die Lippen zu pressen, obwohl wir nahezu jeden, der uns begegnet grüßen.

Es wird tatsächlich immer wieder philosophisch und tiefgründig, je näher der Zeitpunkt meines Umzuges rückt. Die Zeit läuft langsam aber merklich ab und so genieße ich jeden noch so sinnlosen Disput. Und die sinvollen umso mehr.

Das Foto zeigt die Leuchtreklame der Videothek in der Nacht.

Nachteulen

2:05 Uhr, Westerwaldstraße, Tankstelle.


Der Nachtschalter ist geöffnet, ein stämmiger, bärtiger junger Mann bedient zwei Punks. Diese riechen zwar wie sie aussehen, bestellen aber nicht wonach sie aussehen. Qualitätsbiergemische von Carlsberg, Cola und vor allem sehr viele Backwaren.

Die Prozedur zieht sich gummiartig entsprechend der vielen Bestellungen der beiden hin und so kommt es, dass ich ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trete und vorwurfsvolle Blicke in Richtung Nachtschalter werfe.

Die Ungeduld wird dann noch mit den Böhsen Onkelz gespeist, die plötzlich aus der Hosentasche des eher schweigsamen Käppipunks erklingen.

Umso erleichterter bin ich dann, als der Prozess des Einkaufens und bezahlens durch die kleine Metallschublade endlich abgeschlossen ist und mache schon erste Anstalten, mich vor das Panzerlglas zu drängeln.

Just in diesem Moment erhebt der zweite der Beiden sein Haupt und ergänzt die Sammelbestellung um ein Schokocroissant, das leider ausverkauft ist. Also entscheidet er sich für zehn Kürbiskernbrötchen.

Resigniert setze ich mich ins Auto und fahre zur nächsten Tankstelle, wo ich sofort einkaufen kann.

Manche Menschen passen einfach in keine (Metall)schublade.

PS: Das Foto hat nichts mit der Geschichte zu tun. Aber mit dem Dorf.
PPS: Blogroll erweitert, Claudia ziert als Neuling die Bloggerlandschaft.

In der Höhle der Löwen

Es gibt Momente im Leben, die definitiv nicht mit dem bis dahin als möglich erachteten übereinstimmen. So komme ich also in die bizarre Situation, einen Anruf von Wogi zu erhalten, der mich dazu einläd, mit nach Marburg zu fahren.


Die Party hieß "Adam's Sins" und es war genau das drin was drauf stand. Übrigens ist es verblüffend, wie sich jeder Satz in schlüpfriger Art und Weise in Zweideutigkeit verliert, wenn man mit Homosexuellen unterwegs ist (das aber nur als Randbemerkung).

Nun fühlen weder Wogi noch ich uns dem eigenen Geschlecht sexuell hingezogen, was die Sache nochmal etwas seltsamer erscheinen lässt, jedoch löst sich das ein oder andere Missverständnis im Folgenden ganz sicher auf.

Wogi wollte eigentlich nur in Erfahrung bringen, ob C. einen interessanten Vorschlag zur Abendgestaltung habe. C. hatte sich mit einem Lehrer meiner Schule, der ebenfalls homosexuell ist, verabredet um zu dieser Party nach Marburg zu fahren. Ab hier war die Situation so wunderbar seltsam, dass Wogi und ich uns auf Nachfrage der beiden einfach nicht gegen diese Veranstaltung entscheiden konnten.

Während D., der Lehrer, ununterbrochen mit seinem neuen Auto redete, das ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest, bekamen Wogi und ich dann doch immer wieder Bedenken, ob die Entscheidung, mitzufahren, so klug war. Aber es gab kein Zurück mehr und so betraten wir das Etablissement mit gemischten Gefühlen. Außerdem können wir jetzt fundiert lästern, wenn es um die Ausschlachtung von Klischees geht!

Die Location an sich hieß bezeichnenderweise Nachtsalon und wir für allerlei Arten von Parties genutzt. Glücklicherweise hatte ich das Eintrittsgeld passend dabei, was mir einen Lolli bescherte.

An sich fühlten wir uns zunächst unwohl, wir kommen eben vom Dorf und haben erstmal keine Ambitionen, Klischees über Bord zu werfen. Nach zwei Bier und dem ein oder anderen Schnaps lockerte sich die Stimmung jedoch allmählich und wir kamen tatsächlich hier und dort in Kontakt mit durchaus netten Menschen.

Körperkontakt hatte ich übrigens nur mit zwei Fremden: Zunächst direkt als ich mein erstes Getränk bestellte. Plötzlich hatte ich eine Hand an meinem Hintern, die da garantiert nicht hingehörte, aber der Typ wollte nur mal eben im Vorbeigehen  was zum anfassen haben, also habe ich ihn auch nicht mehr gesehen.

Der zweite Körperkontakt des Abends war ein Handkuss zum Abschied von Achim, den D. bereits kannte und uns vorgestellt hatte. Das war übrigens auch der junge Mann, der C. an diversen Körperstellen, nun ja... "kitzelte".

Was bleibt? Auf jeden Fall ein sehr unterhaltsamer Abend, nette, tatsächlich überraschend tiefgründige Gespräche und das seltsame Gefühl, einen schwulenanziehenden Hintern zu haben.

PS: Ausgerechnet gestern hatte ich natürlich nur das Handy als Kameraersatz dabei.

Nachbarn

Das Klischee der fundamentlosen Informationsweitergabe innerhalb von Dorfgemeinschaften soll auch hier Platz finden.


Seit einiger Zeit wohnen in einem architektonischem Meisterwerk von einem Neubau, dass aufgrund seiner Lage nicht zur Geltung kommt, neue Nachbarn . Ich schreibe bewusst "wohnen", da "leben" und "wohnen" durchaus ein Unterschied sind. Die Menschen haben Obdach gefunden, die Dorfgemeinschaft ist in der Statistik um Mitglieder reicher geworden, in der Realität bewegen sich diese Menschen jedoch nur auf eigenem Grund und Boden oder besuchen andere Dörfer und/oder Städte.

Stil haben sie auf jeden Fall bewiesen, leider keinen sehr ins Bild passenden.
Kommen wir zurück auf den Klatsch und Tratsch des Eingangssatzes: Was mich immer wieder wundert ist die Nachtaktivität wie auch die Tagaktivität meiner lieben Mitmenschen.

Egal ob Nachts um halb drei (auch unter der Woche), oder morgens um halb neun: Immer sind Licht und/oder Menschen zu sehen.

Entweder arbeiten sie im Schichtdienst um uns zu verwirren oder sie sind Außerirdische.

Déja-vu

Es ist erschreckend, wie sehr man von gewissen Ereignissen beziehungsweise Erinnerungen verfolgt wird. Vor nicht allzu langer Zeit berichtete ich über die Ästhetik mancher Kneipenbesucher und schon gestern sah ich mich an jenen Abend denkend im Little Rock in der großen Stadt sitzen.


Da das kleine Lokal sehr voll war blieb für mich nur noch ein Platz direkt an der Theke, was mir eine eher ungewollte Nähe zu einem recht freundlichen Kameraden in hawaiihemdüberdecktem Feinripp einhandelte.

Irgendwann stieß er dann versehentlich gegen meinen Arm, als er etwas umständlich auf seinem Hocker nach einer bequemeren Sitzposition suchte. Ohne ihn aufgefordert zu haben, erörterte er seine Not: Die Unterhose rutscht ihm leider in regelmäßigen (zeitlichen) Abständen so hoch, dass es für ihn einen unerträglichen Druck bedeutet, in der selben Sitzposition auszuharren. Ich nickte, lächelte und verschwand auf die Toilette.

Mitleid empfand ich jedoch keines.

PS: Wie damals verzichte ich auch heute (aus den selben Gründen) auf ein Foto.

M.

Ein Tag, den Ereignissen nahezu überdrüssig, auch wenn er es eigentlich nicht vermuten ließ. 


Morgens mit dem Volkswirt auf der Jagd nach einem passenden Present zum Anlasse des Wiegenfestes eines Bekannten bis in die weitaus größere Stadt als die große Stadt gefahren, versprach der Tag schon früh mit tiefgründigen Gesprächen zu brillieren.

Besagtes Ereignis führte mich mit einigen bekannten Gesichtern zusammen, derer ich mich in letzter Zeit ein wenig entfremdet hatte und ließ das ein oder andere unerwartete Gespräch aufkommen.

Schluss mit dem Geschwalle, es tat einfach gut zu erörtern, zu diskutieren und zu streiten bis die Erschöpfung der erreichten Sinnlosigkeit Tribut verlangte. Die Privatsphäre des Dörflers war Thema, das unangenehme Gefühl, Wohn- und Geisteseigentum für eigentlich gute Bekannte zu öffnen.

Da wächst man mit Menschen von Geburt an auf, durchläuft Kindergarten, Sonntagsschule, Jungschar, Bandenkriminalität und ähnliches, was übrig bleibt ist ein ungesundes Misstrauen hinter der Fassade des offenherzigen und nachbarschaftliebenden Weggefährten, ob man nun etwas zu verbergen hat oder nicht bleibt zweitrangig.

Es gibt viel Liebenswertes hier, die Mentalität der eigentlich so bekannten Gesichter, derer man sich so schnell entfremden kann, gehört in den seltensten Fällen dazu. Wer bringt schon das nötige Vertrauen als Weg zum Vertrauen auf?

Der Mieter und ich stehen noch lange die Lungen teerend auf der Terasse und schweigen und/oder rätseln. Dabei betrachten wir das im Dunkel liegende nebelverhangene Wildschweinland.

Irgendjemand hat diesen unsäglichen Jägerhochsitz wieder aufgebaut.

Bild: Der Volkswirt, in Diskussionen vertieft.

Das Flenst!

Habe den gesamten Abend in einem Raucherraum verbracht, der eigentlich ein Nebenraum sein sollte, aber... naja, lassen wir das, wir wollen ja niemanden verpetzen.


Gleich zu Beginn setzt sich neben Wogi und mir schräg gegenüber ein stämmiger Arbeiter auf den überfordert wirkenden kleinen Stuhl und beginnt damit, insgesamt an die neun Flens zu vertilgen. Der Mann ist vom Leben gezeichnet, es ist nicht mehr nötig, Wert auf das äußere Erscheinungsbild zu legen.

Eine zerzauste, von Geheimratsecken durchzogene Frisur, dunkel, und ein Dreitagebart der ursprünglich mal Schnauzer mit Verlängerung bis zum Kinn und Kotletten bis unter die Kieferknochen gewesen zu sein scheint, ziert das faltige Gesicht mit den trüben Augen.

Unter dem karierten Baumwollhemd, in schlichtem Blau und Schwarz gehalten, trägt er ein Jeanshemd, worunter ein weißes Feinrippunterhemd erscheint, sein Kleidungsstil wird von einer olivgrünen Thermohose komplettiert.

Nur selten meldet er sich zu Wort, eine Zigarette nach der anderen verschwindet im Schlund seiner Luftröhre. Kaum hat er eine Flasche gelehrt, stellt die Bedinung bereits die nächste ab. Am Ende des Abends ist sein Zustand so desaströs, dass er nicht mal mehr merkt, dass die Bedienung den Aschenbecher samt eingeklemmter Zigarette austauscht. Sein Blick ist ohnehin nur noch auf seine... Oberschenkel gerichtet, wo sich vom langen Sitzen die Hose einen immer engeren Halt an diversen Weichteilen, die sich sogleich abzeichnen, sucht.

Später fällt er mir noch fast vors Auto, als er schwankend, nahezu künstlerisch tänzelnd, den Heimweg antritt.

Auf der Toilette verschwindet ein junger Mann in die Nebenkabine, der mich offensichtlich nicht bemerkt hat. Seine letzten Worte waren "pörumüölüpaaa scheiß Äbbloar!", womit sich hier ein typisch hessisches Getränk endlich verbloggen lässt.

PS: Auf ein Bild verzichte ich heute aufgrund eines leeren Kameraakkus und der Tatsache, dass meine Beschreibungen meiner Meinung nach (und das nicht ohne Stolz) nahezu Fontaneschem Realismus gleich kommen. Aber nur fast.

Nachtleben (2)

Entscheide mich gestern abend dazu, den Mieter kurz aufzusuchen. Ein paar kleine Unterhaltungen hie und da über Dieses und Jenes finden statt und kurz bevor ich wieder hochgehe, um noch etwas zu essen zu machen, hält mich der Mieter auf und fragt mich, ob ich es schon gesehen habe. "Was gesehen?" forsche ich nach, woraufhin er mir antwortet, der Jägerhochsitz sei verschwunden.


Der traditionelle Blogleser errinnert sich mit Sicherheit, dass der Hochsitz erst vor kurzem wie aus dem Nichts aufgetaucht ist und nun offensichtlich genauso wieder verschwunden ist. Es passieren Dinge in M., die sind mir nicht geheuer. Normalerweise kämpft so ein Ding mindestens 1000 Jahre gegen Wind, Wetter, Mensch und Tier.

Einige Minuten starren wir noch ungläubig auf die gegenüberliegende Seite des Tals, um dann in quälender Ungewissheit selbst von der Nacht verschluckt zu werden.

PS: Der Beitrag von heute ließ ein wenig auf sich warten, da ich noch ein Foto vom nebelverhangenen Wildschweinland machen wollte.

Graffiti

Bleischwer liegt die Nacht über M., als ich heute durch die Bach- und Rosenstraße den Weg nach Hause antrete. Auf der Treppe, die die Rosen- mit der Tulpenstraße verbindet, übergehe ich im Wortsinn fast ein neues Dorffeature, dass mich sogleich in Staunen und Nachdenken versetzt.


Der Künstler hat also auf jeden Fall etwas mit seinem Schriftzug "Nik = schüchtern" erreicht. Bisweilen zermatere ich mir noch immer das Hirn, was die eigentliche Aussage des Künstlers ist. 
Zunächst dachte ich, der Schriftzug lautete "Nik = Schwein", was einen Sinn ergeben und die lieblose grafische Gestaltung des Satzes erklärt hätte, bei näherer Betrachtung erkannte ich dann allerdings den exakten Wortlaut.

Mittlerweile gehe ich von einem Liebesdrama aus, ein verschüchterter Jüngling versäumt es wieder und wieder, den eindeutigen Zweideutigkeiten seiner (nicht) umworbenen Herzensdame die erwarteten Reaktionen entgegenzubringen.

Theorien und Erklärungsversuche in den Kommentaren sind erwünscht. 

Ausgehtipps (3)

Obwohl ich mich dunkel an helle Sommertage meiner Kindheit erinnere, die mir ein Eis am Stiel aus der hauseigenen Kühlbox bescherten, kann ich mittlerweile keinen Bezug mehr zwischen Kneipennamen und angebotener Dienstleistung herstellen.


Mit einem Café im eigentlichen Sinne des Wortes hat das "Bach Café" jedenfalls nicht mehr allzuviel zu tun. In meiner Kindheit vom privaten Eigenheim zu einer waschechten Dorfkneipe weiterentwickelt, ziert das "Bach Café" in mittlerweile strahlendem Gelb die Bachstraße, keine drei Gehminuten vom Dorfkern, also der Kirche, entfernt.

Das typische Klientel überschneidet sich, zumindest teilweise, mit dem der Sportheimkneipe. Der Altersdurchschnitt liegt auch hier wohl über 40 und kürzliche betrat ein mir unbekannter Mann um die 50 den Raum und rief noch mit dem Schließen der Tür: "'n Schoppe un 'n Kurze!", was so viel bedeutet wie "ein frisch gezapftes, wohltemperiertes Pils und einen Weinbrand, bitte!"

Also auch diese Einrichtung spricht nur einen sehr engen Kreis an potentiellen Kunden an, der diesen Vertrauensbeweis allerdings auch zu würdigen weiß. Das dörfliche Nachtleben bleibt damit aber für einen großen Teil der Bevölkerung mangels Alternativen im Dorf eher einseitig.

Trotzdem würde ich gerne mal wieder am Holztor stehen und ein Eis bestellen, wenn ich es mir recht überlege.

Historisches (1)

Einsam und verlassen, ganz dem Rost und Wind und Wetter ausgesetzt, verharrt in Mitten von M. eisern bzw. hölzern und allen Angriffen zum Trotz diese Dachkonstruktion. Der einzige, treu ergebene Bewohner, ein Zigarettenautomat, kämpft ebenso gegen Rost und Witterung wie seine Herberge. Ab und zu schauen, vermummt bis oben hin und daher besonders gerne im Winter, besonders im Schutze der Dunkelheit nach halb eins, einige Dorfbewohner vorbei. Besonders nach halb eins, weil die Straßenlaternen, von Müdigkeit und Träumen überfallen, selbst jede Nacht um halb eins zur Ruhe kommen und bis zum nächsten Abend keinen Mucks mehr von sich geben.


Es ist dunkel in M., wenn man sich zu spät nachts hinaus wagt. Das Dach und sein treuer Freund, der Zigarettenautomat, bevölkern einen Teil des Dorfes, der, von Felsen und dem Wald umgeben, recht abgründig wirkt. Ganz in der Nähe finden sich auch die wohl einzigen Grafitties des Dorfes, angebracht von Jugendlichen, die ihrem Protest gegen die Dorfromantik Ausdruck verleihen wollten. Doch die Idylle trotzte schon so einigen Gegnern.

Die Lage, die Dunkelheit, die Verschwiegenheit um diesen Platz herum machen den wehrlosen Zigarettenautomaten zum perfekten und sicheren Angriffsziel jugendlicher Ersttäter, die weder bei Tage, noch in einer Tankstelle beim Erwerb von Tabakwaren erwischt werden wollen. Der Ort ist zwar umgeben von Gebäuden, doch eines davon ist gar nicht bewohnt, das zweite ist die Heimat von zwei nicht sehr nachtaktiven Rentnern und das dritte hat keinen wirklich ernstzunehmend freien Blick auf den Ort des Geschehens.

Und so verkommt die ehemalige Dorftankstelle, früher Treffpunkt vieler Dorfbewohner und Freunden mehr oder weniger preiswerten Treibstoffs, zu einem Sündenpfuhl, einem Ort der Illegalität. Ein absolutes Unikat im Dorf, also.

Nachtleben (1)

Entscheide mich gestern abend dazu, den Mieter kurz aufzusuchen. Gelegentlich lade ich mich ganz penetrant bei ihm ein, da er direkt unter uns wohnt und ein rießiges Fernsehgerät in seinem Singlehaushalt betreibt. Ich wage die kühne Behauptung, nahezu jedes Nachtprogrammrätsel in Rekordzeit lösen zu können, es sei denn, der Mieter leistet Übermenschliches und das passiert für meinen Geschmack definitiv zu oft. Das Rauchen und gelegentlicher Weinkonsum gehören ebenfalls zu den gemeinsamen Aktivitäten, ebenso wie intensiver Meinungsaustausch und gegenseitiges Beratschlagen. Gestern abend stehen wir also auf der Terasse und schauen über das Tal hinweg auf die gegenüberliegenden, schützenden, baumbevölkerten Hügel des nebelverhangenen Wildschweinreiches, in dem wir uns hier befinden. Dem Mieter und seiner Beobachtungsgabe entgeht kein Detail der scheinbar nicht vorhandenen Ereignisse auf der Gegenseite und so registriert er plötzlich zwei Scheinwerfer, die sich ihren Weg durch die Nacht (und das nebelverhangene Wildschweinreich) bahnen. Da sich der Autoverkehr in diesen Teilen der Ländereien des Dorfes für gewöhnlich in Grenzen hält, behalten wir die Situation und ihre Entwicklung sicherheitshalber im Blick und werden gleich darauf für unser Ausharren belohnt: Die Scheinwerferkegel erlöschen, kurz darauf erhellt eine Taschenlampe die dunkle Umgebung. Etwas hektisch, ja, nahezu getrieben wirkt das Spiel des Lichtes in der Nacht. "Vielleicht ist das der Jäger," mutmaßt der Mieter, "der gerade ein Tier geschossen hat und es jetzt sucht." Eine recht naheliegende Vermutung, die uns als Erklärung für die seltsamen Vorkommnisse ausreicht. "Da hinten steht nämlich seit neustem ein Jägerhochsitz", klärt mich der Mieter noch über die jüngsten Entwicklungen im Forstbereich auf. Unglaublich, ich habe bisher tatsächlich nichts davon mitbekommen. Ich sollte wieder mehr am Dorfleben teilnehmen. Einige Minuten verfolgen wir das Spektakel noch, um dann in quälender Ungewissheit selbst von der Nacht verschluckt zu werden.


Das Bild zeigt zwar nicht den Jägerhochsitz, aber das Nachtleben im Dorfkern wird trotzdem in vielerlei Facetten illustriert.

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