Umzug!
Der ewige K(r)ampf
Es gibt Momente im Leben, die definitiv nicht mit dem bis dahin als möglich erachteten übereinstimmen. So komme ich also in die bizarre Situation, einen Anruf von Wogi zu erhalten, der mich dazu einläd, mit nach Marburg zu fahren.
Als gestern dieses wunderbare Bild entstand, waren alle Menschen um mich herum glücklich und erheitert. Den Tag über hatte man eine dörfliche Ruhe genießen dürfen, die eine noch höhere Qualität hatte als die gewöhnliche Ruhe in einem Dorf.
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Der Mai ist da. Welch netter Anlass, zusammen zu kommen und die Dorfgemeinschaft zu pflegen.
Der Leistungskurs Kunst lud ein und Wogi und ich ließen uns nicht lumpen, die Vernissage war Pflichtprogramm für Jahrgangspatrioten wie uns.
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Plötzlich steht ein Mittzwanziger mit aussagekräftigem Kurzhaarschnitt im Foyer des kleinen Theaters der großen Stadt, in dem eine kleine Gruppe von Menschen (unter anderem auch Wogi und ich) gerade ihre Zeit fristen.
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Schon bei Helge Schneider, also in der Sporthalle eines Gymnasiums, die Veranstaltungsort war, fiel mir ein Phänomen auf, dass mich wiederkehrend aufs Neue anwiedert.
Helge Schneider live. Vor S. und mir sitzt eine Frau mittleren Alters, bekleidet mit modischen Damenstiefeln der Jahrtausendwende, deren Design auf rein praktischen Nutzen schließen lässt. In eben diesen steckt eine in verschiedenen Grautönen gestreifte Strumpfhose, die von einem knielangen, orangefarbenen Cordrock bedeckt wird. Der weiße, grob gestrickte Wollpullover und die eisern gegen den Teint der Frau arbeitende orange Brille, sowie die rotbraune Haarspange, die das perfekt geglättete Haar am Hinterkopf sammelt, runden das Bild der Familienmanagerin perfekt ab. Begleitet von ihrem Mann und einer Freundin sitzt sie erwartungsvoll mit Blick richtung Bühne da und lauscht viel zu offensichtlich jedem hinter ihr gesprochenen Wort.
Verbringt man seine Zeit in Gruppen, Vereinen, auf der Arbeit oder in sonstigen sozialen Gemeinschaften, teilt man meist über die gemeinsame Zeit hinaus auch ganz praktische Dinge wie zum Beispiel Vereinshäuser und deren Inventar. Dabei muss man natürlich zum Selbstschutz sehr viel skeptischer mit eben jenen Dinge umgehen, die man mit 2-100 anderen Menschen teilt. So stand ich heute in einer Küche, entnahm dem Kühlschrank eine Tüte Kondensmilch, die schon offen war und bot sie meinen Mitmenschen zum Kaffee an. Vorher probierte ich natürlich aus, ob der Verdacht von Schimmel möglicherweise begründet war. Ergebnis: Kein verdächtiger Geruch, keine Bröckchen oder sonst irgendetwas Verdächtiges. Mein Gewissen war also beruhigt. Des Besseren wurde ich kurz darauf belehrt, wie das heutige Foto beweist. Immerhin spricht das für die anderen Vereinsmitglieder, die so fürsorglich waren, uns über den Zustand der Milch zu informieren. Für den ein oder anderen kam diese Information leider zu spät.
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Entschließt man sich hierzulande dazu, den persönlichen Horizont zu erweitern, setzt man sich für gewöhnlich ins Auto und fährt ca. 15 Minuten in die große Stadt (wobei "groß" relativ ist.) Es wäre auch möglich, die öffentlichen Verkehrsmittel (Bus) zu benutzen, wobei es hier das Problem gibt, dass diese nur stündlich bzw. alle zwei Stunden verkehren. Ab 21:00 Uhr ist dann sowieso Schluss mit öffentlich. Fährt man in die große Stadt eröffnet sich dem Besucher allerdings eine grandiose Bandbreite von Möglichkeiten: Cafés, weiterführende Schulen, Museen, ein mehr oder weniger vielfältiges Nachtleben, ein Park mit netten Bewohnern, ein Bahnhof der die Einwohner mit dem Rest der Welt verbindet und natürlich auch öffentliche Toiletten, auf denen man gerne mal Spritzen und/oder Blut entdecken kann.
Das Schloss, die Kirchen und die Architektur an sich, besonders in der Altstadt können sich allerdings durchaus sehen lassen und so ist die große Stadt ein nicht zu unterschätzender Touristenmagnet. Besucht man nun den Rand der Stadt, so erreicht man irgendwann auch das qualitativ hoch angesehene Gymnasium.
Die Fotos sind in dessen direkter Umgebung einzuordnen.
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Einen sehr wichtigen und für diese Gegend absolut typischen Bestandteil der Fußballvereine sind die regelmäßigen als "Discos" deklarierten Partys. Diese Feiern bieten die Gelegenheit, mit anderen Menschen aus dem Dorf und Umgebung zu feiern, neue Kontakte zu knüpfen und Bindeglieder wie den Fußballverein, die maßgeblich daran beteiligt sind, die Dorfgemeinschaft zu erhalten und zu fördern, weiterhin zu finanzieren und ihr Überleben zu sichern. Hier und in den umliegenden Dörfern finden sie statt und locken meist nicht nur partybegeisterte Besucher an, sondern sorgen in der Regel auch für ein verhältnismäßig erstaunlich hohes Polizeiaufkommen in dieser für gewöhnlich sehr friedlichen und polizeiunabhängigen Gegend. Das liegt weniger an aufkommender Gewalt (wir sind nun mal eine sehr friedliche Gemeinschaft), als viel mehr an der Gefahr von betrunken fahrenden Betrunkenen. Wie man sehen kann, war es gestern wieder so weit und außer den Plakaten, die in allen Dörfern wahlweiße in Neongelb, -rot, oder -orange mit dicker schwarzer Schrift gehalten sind, habe ich von diesem Ereignis nichts mitbekommen. Ein Vorteil des Winters, wenn man es von meiner Seite aus betrachtet. Von Sommer bis Herbst finden die Discos im Festzelt auf dem Sportheimparkplatz statt und die "Musik" schafft es so gut wie immer bis zum Fenster unseres Hauses, was zu unregelmäßigem Schlaf führen kann (aber nicht zwangsläufig muss). Gerne erproben die Gäste dann zu späterer Stunde auch mal ihre eigenen Sangeskünste, was einen durchaus unterhaltenden Beigeschmack haben kann.
Ich hoffe, alle Discogänger schaffen es heute an die Urne.
Wenn man, so wie ich, jung und dynamisch ist, ist man natürlich immer darauf erpicht, freie Abende in netter Gesellschaft zu verbringen. Die vollkommene Ergänzung eines solchen Abends ist natürlich eines der zahlreichen heimischen Biere. Dass eine Dorfgesellschaft wie unsere nicht gerade eine Fülle von Kneipen zu erhalten in der Lage ist verwundert natürlich nicht. Hartnäckig halten sich dennoch eine handvoll kleinerer Etablissements, die eine mehr oder weniger einladenede Wirkung auf die Bevölkerung ausstrahlen. Erwähnt werden sollten sie hier aber allemal und so macht der absolute Renner unter den Dorfkneipen den Anfang: Das Vereinshaus des hiesigen Fußballvereins dient nach Feierabend, nicht zuletzt um den Verein an sich zu finanzieren, als Treffpunkt Nummer eins für Fußball- und vor allem Bierfans auf der Suche nach Gesellschaft. Das besondere und für unser Dorf einzigartige an dieser Einrichtung ist allerdings nicht die PayTV-unterstützte Übertragung von Bundesliga und Champions League, sondern die in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Sonderveranstaltungen wie das berühmte Oktoberfest, Halloweenpartys oder gemütliche Konzertabende mit den "Limpets", ein wirklich sympathisches und sehr hörenswertes Coverduo.
Der Name des Sportvereins ist ebenfalls auf dem Bild zu erkennen. Seine Geschichte kenne ich nicht.




