Umzug!

Das neue Blog ist unter http://www.yanndiehl.de/ zu erreichen.

Der ewige K(r)ampf

Es ist traurig. Selbst mit dieser einfachen Seite ist der Internetexplorer, obwohl Produkt einer Firma, die es eigentlich besser wissen sollte, überfordert. Schade für alle, die ihn immernoch benutzen.

Meine Empfehlungen:



  
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Metzgerblog (9)



Ich meine, mal ganz im Ernst: Ostfriesen durch den Kakao zu ziehen war spätestens ab der vierten Klasse selbst bei uns verpöhnt. Nicht zuletzt natürlich auch, weil man Kenntnisse über nahezu jede Macke von Ostfriesen gesammelt hatte.

Dass die Metzgerei Wagner nun in diese tiefe, alte Kiste greift um die aktuellen Wurstangebote etwas aufzupeppen ist, naja, sagen wir mal "eher grenzwertig".

Zumal es noch dazu ein schweinischer Witz ist! Tze...!

Nachteulen (2)

Die Entscheidung, noch schnell einen Film auszuleihen und für den Rest der Nacht an der Matratze zu lauschen ist schnell gefallen. Wie so oft macht uns allerdings die Zeit einen Strich durch die Rechnung. Bereits seit einer Viertelstunde hat die Videothek unseres Vertrauens geschlossen.


Die Nacht ist noch relativ jung und es bleibt uns kaum eine Alternative, was letzten Endes dazu führt dass wir, pragmatisch wie wir sind, unsere Decke aus dem Auto holen und die Versammlungsfreiheit unter freiem Himmel schamlos ausnutzen. Der Parkplatz vor der Videothek ist unser neues Domizil (zumindest für die nächsten vier Stunden).

Vermummte Spaziergänger mit Hund und Anhänger eines bestimmten Musikgenres begegnen uns und nur wenige von ihnen schaffen es, ein vages "Hallo" durch die Lippen zu pressen, obwohl wir nahezu jeden, der uns begegnet grüßen.

Es wird tatsächlich immer wieder philosophisch und tiefgründig, je näher der Zeitpunkt meines Umzuges rückt. Die Zeit läuft langsam aber merklich ab und so genieße ich jeden noch so sinnlosen Disput. Und die sinvollen umso mehr.

Das Foto zeigt die Leuchtreklame der Videothek in der Nacht.

Nachteulen

2:05 Uhr, Westerwaldstraße, Tankstelle.


Der Nachtschalter ist geöffnet, ein stämmiger, bärtiger junger Mann bedient zwei Punks. Diese riechen zwar wie sie aussehen, bestellen aber nicht wonach sie aussehen. Qualitätsbiergemische von Carlsberg, Cola und vor allem sehr viele Backwaren.

Die Prozedur zieht sich gummiartig entsprechend der vielen Bestellungen der beiden hin und so kommt es, dass ich ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trete und vorwurfsvolle Blicke in Richtung Nachtschalter werfe.

Die Ungeduld wird dann noch mit den Böhsen Onkelz gespeist, die plötzlich aus der Hosentasche des eher schweigsamen Käppipunks erklingen.

Umso erleichterter bin ich dann, als der Prozess des Einkaufens und bezahlens durch die kleine Metallschublade endlich abgeschlossen ist und mache schon erste Anstalten, mich vor das Panzerlglas zu drängeln.

Just in diesem Moment erhebt der zweite der Beiden sein Haupt und ergänzt die Sammelbestellung um ein Schokocroissant, das leider ausverkauft ist. Also entscheidet er sich für zehn Kürbiskernbrötchen.

Resigniert setze ich mich ins Auto und fahre zur nächsten Tankstelle, wo ich sofort einkaufen kann.

Manche Menschen passen einfach in keine (Metall)schublade.

PS: Das Foto hat nichts mit der Geschichte zu tun. Aber mit dem Dorf.
PPS: Blogroll erweitert, Claudia ziert als Neuling die Bloggerlandschaft.

In der Höhle der Löwen

Es gibt Momente im Leben, die definitiv nicht mit dem bis dahin als möglich erachteten übereinstimmen. So komme ich also in die bizarre Situation, einen Anruf von Wogi zu erhalten, der mich dazu einläd, mit nach Marburg zu fahren.


Die Party hieß "Adam's Sins" und es war genau das drin was drauf stand. Übrigens ist es verblüffend, wie sich jeder Satz in schlüpfriger Art und Weise in Zweideutigkeit verliert, wenn man mit Homosexuellen unterwegs ist (das aber nur als Randbemerkung).

Nun fühlen weder Wogi noch ich uns dem eigenen Geschlecht sexuell hingezogen, was die Sache nochmal etwas seltsamer erscheinen lässt, jedoch löst sich das ein oder andere Missverständnis im Folgenden ganz sicher auf.

Wogi wollte eigentlich nur in Erfahrung bringen, ob C. einen interessanten Vorschlag zur Abendgestaltung habe. C. hatte sich mit einem Lehrer meiner Schule, der ebenfalls homosexuell ist, verabredet um zu dieser Party nach Marburg zu fahren. Ab hier war die Situation so wunderbar seltsam, dass Wogi und ich uns auf Nachfrage der beiden einfach nicht gegen diese Veranstaltung entscheiden konnten.

Während D., der Lehrer, ununterbrochen mit seinem neuen Auto redete, das ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest, bekamen Wogi und ich dann doch immer wieder Bedenken, ob die Entscheidung, mitzufahren, so klug war. Aber es gab kein Zurück mehr und so betraten wir das Etablissement mit gemischten Gefühlen. Außerdem können wir jetzt fundiert lästern, wenn es um die Ausschlachtung von Klischees geht!

Die Location an sich hieß bezeichnenderweise Nachtsalon und wir für allerlei Arten von Parties genutzt. Glücklicherweise hatte ich das Eintrittsgeld passend dabei, was mir einen Lolli bescherte.

An sich fühlten wir uns zunächst unwohl, wir kommen eben vom Dorf und haben erstmal keine Ambitionen, Klischees über Bord zu werfen. Nach zwei Bier und dem ein oder anderen Schnaps lockerte sich die Stimmung jedoch allmählich und wir kamen tatsächlich hier und dort in Kontakt mit durchaus netten Menschen.

Körperkontakt hatte ich übrigens nur mit zwei Fremden: Zunächst direkt als ich mein erstes Getränk bestellte. Plötzlich hatte ich eine Hand an meinem Hintern, die da garantiert nicht hingehörte, aber der Typ wollte nur mal eben im Vorbeigehen  was zum anfassen haben, also habe ich ihn auch nicht mehr gesehen.

Der zweite Körperkontakt des Abends war ein Handkuss zum Abschied von Achim, den D. bereits kannte und uns vorgestellt hatte. Das war übrigens auch der junge Mann, der C. an diversen Körperstellen, nun ja... "kitzelte".

Was bleibt? Auf jeden Fall ein sehr unterhaltsamer Abend, nette, tatsächlich überraschend tiefgründige Gespräche und das seltsame Gefühl, einen schwulenanziehenden Hintern zu haben.

PS: Ausgerechnet gestern hatte ich natürlich nur das Handy als Kameraersatz dabei.

Metzgerblog (8)


"tschuldigung und tschüs" fiel mir zunächst auf, das es in dieser rührenden Geschichte wundervoll verpackt war. Meiner Meinung nach ein sprachlicher Bruch, denn so würde es wohl niemand am Telefon sagen.


Die Auflistung von knallharten Fakten jedoch überzeugte mich diesmal fast noch mehr im Printblog der Metzgerei Wagner:

breite Leberwurst
100 g -,69 €
(Am 10. Mai ist Muttertag)

An breite Leberwurst als Geschenk habe ich bisher nie gedacht. Vielleicht ist das tatsächlich der Weg aus dem Dilemma, jedes Jahr aufs Neue mittels Präsent überzeugen zu wollen/müssen.

Entdeckt in F.

Dorffest


Der Mai ist da. Welch netter Anlass, zusammen zu kommen und die Dorfgemeinschaft zu pflegen.


Für mich war der Reiz, den der Vorplatz des Feuerwehrgerätehauses an diesem Tag ausstrahlte jedoch eher die Currywurst mit Pommes, die mein mittägliches Hungergefühl befriedigen sollte.

Zunächst treffe ich auf Absperrungen (Foto), die für Autos gedacht sind, um die betrunkenen Betrunkenen in gewissen Bereichen des Dorfes vor Autos zu schützen. Oder umgekehrt. Jedenfalls laufe ich zunächst am Eiswagen, der eigens von außerhalb organisiert wurde vorbei und bekomme sofort Mitleid mit dem mir bekannten echten Italiener, der sich nicht nur nicht über nicht vorhandene Kundschaft aufregen darf, sondern auch noch gefühlte 87 verschiedene Texte auf die Melodie des Zillertaler Hochzeitsmarsches über sich ergehen lassen muss. Die Boxen des "DJs" sind glücklicherweise wenige Meter vom Eiswagen entfernt direkt in dessen Richtung aufgestellt.

Ich verfüge wahrlich nicht über mediteranes Temperament wie es beim italienischen Eisverkäufer zu finden ist, nach einer halben Stunde des Stehens und Essens an einem zum Tisch umfunktionierten Baumstamm jedoch entscheide ich mich, unauffällig die Flucht zu ergreifen.

Ich verabschiede mich bei einzelnen Gruppen, die volltrunken nochmal stolz ihren Maibaum präsentieren und verschwinde wieder hinter der Absperrung.

Currywurst und Pommes waren übrigens sehr gut.

Metzgerblog (7)


Offensichtlich gab es in letzter Zeit in der Metzgerei Wagner Beschwerden, weshalb sich die Familie offensichtlich zu einer Rechtfertigung gezwungen fühlt. Glücklicherweise gibt es ja das wöchentliche Printblog, das macht die ganze Sache etwas einfacher.


Darüber hinaus ist für Essen und Trinken gesorgt.

Und jeder bekommt ein Tütchen mit Schnuck zum Abschied.

Eindringlinge

Beim regelmäßigen Joggen im "Muttert" (Foto) fällt mir oftmals zweierlei auf: Es scheint nur einen ebenerdigen Grund mit einer Länge von mehr als 500 Metern in M. zu geben und Hundebesitzern ist ob ihrer Fähigkeit ihr Getier zu erziehen zu misstrauen.


Darüber hinaus stelle ich immer wieder fest, dass man im Dorfkern grundsätzlich dieselben fünf Gesichter zu Gesicht bekommt, während die Gesichter der Menschen im Wald eine signifikante Abweichung zu den Gesichtern der Dorföffentlichkeit aufweisen. Immer wieder grüße ich also Menschen, die meine Synapsenaktivität sogleich auf Hochtouren bringen, da ich verzweifelt versuche, ein Pendant der Vergangenheit zu finden und zuzuordnen.

So war es auch gestern. Eine junge Frau, etwas älter als ich, betritt mit einem Dackel über einen Schleichweg den offiziellen Dorfwanderpfad, grüßt mich telefonierenderweise und setzt ihren Weg fort.

Da, wie beschrieben, der Muttert einer der wenigen Wege ist, der ebenerdig verläuft, laufe ich diese Strecke diverse Male hin und her, was zwangsläufig zu insgesamt drei Begegnungen mit besagter Frau führt. Nicht ein einziges Mal begegne ich ihr, ohne dass sie telefoniert.

Das Tragische daran ist, dass ich den Hund nicht einschätzen kann und sie ihn gute 50 Meter vor sich her laufen lässt, ohne ihn weiter zu beachten. Erst vor kurzem hat mich auf diesem Weg ein Monster von einem Hund angefallen, daher verhalte ich mich nun grundsätzlich misstrauisch.

Den Hund schert das herzlich wenig, Manieren beweist er aber trotzdem nicht: Zwei der drei Begegnungen überspielt er gekonnt indem er sich auf den Weg setzt und seinen Stoffwechselvorgang zu einem höchst erfolgreichen Abschluss bringt.

La Vernissage

Der Leistungskurs Kunst lud ein und Wogi und ich ließen uns nicht lumpen, die Vernissage war Pflichtprogramm für Jahrgangspatrioten wie uns. 


Wir treffen uns also auf dem Pertuis-Parkplatz, von den Einheimischen, oftmals der französischen Sprache nicht mächtigen Bewohnern liebevoll auch Pertusi-Parkplatz genannt, und machen uns auf den Weg in Richtung Innenstadt.

Es gab es Sekt und Schnittchen, aber auch alkoholfreies und Süßes. Wir waren jedenfalls durchaus begeistert von der Arbeit unserer Mitschüler und -innen, weniger jedoch von den langatmigen, dafür aber durchaus gut auswendig gelernten Reden von Lehrern, Schülern und sonstigen Anzugträgern. Wir gehörten übrigens auch zu letzteren, allerdings ohne Reden zu halten.

Mit dem gemeinen Fußvolk jedenfalls gaben wir uns so wenig wie möglich ab, ein bisschen möchte man dann doch den eigenen Stand demonstrieren. Das perfekte Bild das wir abgaben wurde nur kurz getrübt, selbstverständlich nicht von mir, sondern von Herrn Wogi, der ungeschickter Weise erwähnte, sich gut vorstellen zu können, die Fotogramme in seinem Zimmer aufzuhängen.

Damit war unser Image vom Eigenheimbesitzer natürlich sofort zerstört und der Blick der Dame, die uns heimlich zugehört hatte signalisierte genau das auf unheimlich ernüchternde Art und Weise.

Das heutige Bild hat damit natürlich gar nichts zu tun, wurde aufgenommen im Billards und hat einen gewissen künstlerischen Anspruch, wie ich meine.

Ohne Worte (12): Faulheit

Entdeckt in Ahrweiler

Ein Spinnenleben

Immer wieder sieht man ja diese erschreckenden Reportagen im Fernsehen, die die katastrophalen Zustände in Deutschlands Restaurantküchen belegen.


Ein gut bürgerliches Restaurant, dass sich in Bezug auf Hygiene bisher immer bezahlt gemacht hat, lockt meine Großeltern und ihre Begleitung (also mich) heute an. Wir bestellen Getränke, unterhalten uns und plötzlich bemerke ich eine Bewegung vor meinem Kopf.

Entgegen aller Erwartungen was Hygiene betrifft, seilt sich in einer Seelenruhe sondergleichen eine Spinne circa zwei Zentimeter vor meiner Nase zielstrebig in Richtung Getränk ab, bricht ihr Únternehmen kurz vor Erreichen des Zieles jedoch ab und verkürzt den Faden um ein nicht unerhebliches Stück, sodass sie fast direkt unter der Zimmerdecke ein Plätzchen zum verweilen findet.

Kurz darauf habe ich sie wieder vor der Nase.

Darauf folgt der verzweifelte Versuch meinerseits, die Spinne mittels Makromodus zu fotografieren, was nur in Ansätzen gelingt, da sie plötzlich ins Schlingern gerät und abzustürzen droht. Einige Schnappschüsse, keiner davon scharf, und kurz vor dem entscheidenden Foto werde ich unterbrochen: Die Vorspeise wird serviert, die Kellnerin entdeckt die Spinne und entfernt sie elegant und unauffällig. Niemand hätte es bemerkt, hätte ich nicht die Aufmerksamkeit auf die Szenerie gelenkt.

Die Spinne jedenfalls hat den Tag nicht mehr überlebt.

Bahn

Schon das Betreten des ersten von insgesamt vier verschiedenen Zügen, die ich an diesem Tag noch betreten werde, leitet meine Bahnreise gebührend ein. Die Person vor mir ist mit dem Umgang mit circa 35 Jahre alten Wagontüren nicht ausreichend betraut und scheitert kläglich beim Versuch, die Griffe ordnungsgemäß zu benutzen. Ich entscheide mich klugerweise kurzfristig, zur nächsten Tür zu hechten und kurz vor derer Schließung sicher im Wageninnern meinen Platz zu suchen.

Platz gefunden und in die Zeitung vertieft, stelle ich unterwegs fest, dass ich im falschen Zug sitze. Die Nummer ist falsch. Die Richtung stimmt, die Zeit vielleicht aber nicht. Zuggebundene Tickets, die ein Schülervermögen kosteten und ein Bewerbungsgespräch, dass pünktlich geführt werden will, lassen mich sehr unruhig werden. Aber ich habe Glück: Ich komme früher als geplant in Frankfurt an.

Die nächste Überraschung folgt sogleich, die anderthalbstündige Fahrt nach Frankfurt wird mir zunächst mit Kleinkindgeschrei versüßt, glücklicherweise kann die Mutter ihr Kind jedoch schnell beruhigen. Leider mit dem einzig geschreiübertreffendem Mittel: Einer Spieluhr. Ich darf gefühlte zehn Stunden einem sanften, sich ewig wiederholenden "La, Le, Lu" lauschen und meine Konzentration reicht nicht mal mehr für das Zeitungssodoku.

Der zweite Zug des Tages ist ein EC. In kindlicher Aufregung suche ich mein Gleis im Frankfurter Bahnhof, denn EC bin ich in meiner noch nicht sehr lange währenden Bahnfahrerkarriere noch nie gefahren.

Der Zug ist nicht mal blau angemalt. Ein völlig normaler IC, der allerdings bis nach Graz fährt. Ich bin enttäuscht. In eben jenem treffe ich allerdings wieder auf ein altbekanntes Gesicht, das mir die IC-Fahrten immer wieder reizvoll erscheinen lässt. Es ist auf dem heutigen Bild zu sehen.

Nachdem immerhin die Anschlüsse gestimmt haben, kann mich nichts mehr aus der Bahn werfen. Außer dem EC zurück nach Frankfurt. Der hat geschlagene 30 Minuten Verspätung, mein Anschlusszug in Form eines Regionalexpresses wartet natürlich nicht auf mich.

Der spätere Zug ist noch ganz leer, als ich ihn betrete und wenig später sitze ich mäßig bequem aber glücklich einem Geschäftsmann gegenüber. Bald gesellt sich ein etwas älterer Herr zu uns, der sich neben mich stzt und nichts sagt. Bisher hatte ich keine Ahnung, wie viele Beigetöne es tatsächlich gibt.

Der Zug leert sich, mein Ziel ist eines der letzten des Zuges. Trotzdem und obwohl das komplette Abteil leer ist, bleibt der Mann neben mir sitzen. Bis zum bitteren Ende. Dabei liest er Pferdezeitschriften und ist fasziniert von meinem iPod.

Nachbarn

Das Klischee der fundamentlosen Informationsweitergabe innerhalb von Dorfgemeinschaften soll auch hier Platz finden.


Seit einiger Zeit wohnen in einem architektonischem Meisterwerk von einem Neubau, dass aufgrund seiner Lage nicht zur Geltung kommt, neue Nachbarn . Ich schreibe bewusst "wohnen", da "leben" und "wohnen" durchaus ein Unterschied sind. Die Menschen haben Obdach gefunden, die Dorfgemeinschaft ist in der Statistik um Mitglieder reicher geworden, in der Realität bewegen sich diese Menschen jedoch nur auf eigenem Grund und Boden oder besuchen andere Dörfer und/oder Städte.

Stil haben sie auf jeden Fall bewiesen, leider keinen sehr ins Bild passenden.
Kommen wir zurück auf den Klatsch und Tratsch des Eingangssatzes: Was mich immer wieder wundert ist die Nachtaktivität wie auch die Tagaktivität meiner lieben Mitmenschen.

Egal ob Nachts um halb drei (auch unter der Woche), oder morgens um halb neun: Immer sind Licht und/oder Menschen zu sehen.

Entweder arbeiten sie im Schichtdienst um uns zu verwirren oder sie sind Außerirdische.

Déja-vu

Es ist erschreckend, wie sehr man von gewissen Ereignissen beziehungsweise Erinnerungen verfolgt wird. Vor nicht allzu langer Zeit berichtete ich über die Ästhetik mancher Kneipenbesucher und schon gestern sah ich mich an jenen Abend denkend im Little Rock in der großen Stadt sitzen.


Da das kleine Lokal sehr voll war blieb für mich nur noch ein Platz direkt an der Theke, was mir eine eher ungewollte Nähe zu einem recht freundlichen Kameraden in hawaiihemdüberdecktem Feinripp einhandelte.

Irgendwann stieß er dann versehentlich gegen meinen Arm, als er etwas umständlich auf seinem Hocker nach einer bequemeren Sitzposition suchte. Ohne ihn aufgefordert zu haben, erörterte er seine Not: Die Unterhose rutscht ihm leider in regelmäßigen (zeitlichen) Abständen so hoch, dass es für ihn einen unerträglichen Druck bedeutet, in der selben Sitzposition auszuharren. Ich nickte, lächelte und verschwand auf die Toilette.

Mitleid empfand ich jedoch keines.

PS: Wie damals verzichte ich auch heute (aus den selben Gründen) auf ein Foto.

Schweißorlährgaong


Plötzlich steht ein Mittzwanziger mit aussagekräftigem Kurzhaarschnitt im Foyer des kleinen Theaters der großen Stadt, in dem eine kleine Gruppe von Menschen (unter anderem auch Wogi und ich) gerade ihre Zeit fristen.


Verwirrt blickt er umher, ignoriert dabei gänzlich, dass außer ihm noch weitere Individuen, die nebenbei auch noch in geographischer Nähe seiner selbst befindlich sind, existieren, und zieht genüsslich, wenn auch nicht ganz geistesgegenwärtig, hin und wieder an seiner Zigarette, die er illegalerweise mit in das Gebäude gebracht hatte.

Wir fragen ihn gefühlte 15 und reale drei mal, ob man ihm helfen könne, worauf er zunächst gar nicht und später mit einem schlichten "nein" antwortet. Etwas verunsichert und ratlos lassen wir ihn also zunächst gewähren.

Nach weiteren fünf Minuten wagen wir einen nächsten Vorstoß auf dem Gebiet der Kommunikation. Diesmal mit der Frage, was er denn mache. "Schweißorlehrgoang" ist die Antwort. In nahzu unmöglich zu übersetzendem, genuscheltem Sächsisch erklärt er auf unverhältnismäßig umfangreiche Fragestellungen reagierend, dass er auf der Suche nach "Porty" sei und bei einer lokalen Firma derzeit einen Lehrgang besuche.

Dass die Räumlichkeiten, in denen er sich zu diesem Zeitpunkt befand, ein Theater darstellten, hatte er offensichtlich bereits gemerkt. Dass dort derzeit keine Veranstalung stattfand auch. Zum Verlassen der Örtlichkeit animierten ihn diese Erkenntnisse aber noch lange nicht. Er verharrte ohne Blickkontakt und/oder Kommunikation jedweder Art bis der Letzte das Licht ausgemacht hatte.

PS: Heute bekommt Wogi ein Bild und ein Label. Ich hoffe er weiß es zu würdigen.


Kampf der Presseerzeugnisse

Ein Kaufhaus in der großen Stadt bietet einen wesentlichen Vorteil gegenüber den anderen Einkaufsmöglichkeiten: Es ähnelt einem Ableger einer Einkaufspassage.


Trotzdem wirkt es immer etwas unkoordiniert und die Angestellten haben die Freundlichkeit auch nicht gerade mit Löffeln gefressen. Was mich gestern allerdings dann doch extrem tangierte war, dass im obersten Fach des Zeitungsständers, also genau auf Augenhöhe eines fast jeden Kunden, der zwangsläufig an diesem Zeitungsständer vorbeikommt, die "Nationalzeitung" zum Verkauf angeboten wird.

Zunächst ging ich nur davon aus, dass das Sortiment des Hauseigenen Kiosks einfach eine breitere Masse ansprechen sollte, was meiner Meinung nach trotzdem nicht die Verbreitung von extremistischem Gedankengut rechtfertigt. Immerhin wäre es eine Erklärung gewesen. Nachdem mich die Verkäuferin allerdings darauf hingewiesen hatte, dass sie die "Tageszeitung" "aus Prinzip" nicht vertrieben, entschloss ich mich spontan, dem Einkaufsparadies der großen Stadt in Zukunft ein wenig ferner zu bleiben als bisher.

Fremdschämen

Der Mensch ist mit der Gabe des Schämens ausgestattet. Das ist gut so, viele Menschen schützt diese Veranlagung vor allzu großer Verachtung begründeter oder unbegründeter Art, ausgehend von Gesellschaft und dem verkappten Nachbarn, um  dessen Meinung man sich ja eh nicht schert.


Andere Menschen verausgaben sich im Dschungelcamp, das Schamgefühl von Geldnot überschattet, oder legen einen Seelenstripties bei Frauentausch hin., weshalb auch immer. Heute jedenfalls zeigte RTL 2 zum Ende der aktuellen Folge die Anfänge des kurz darauf unweigerlich folgenden Liebesspiels zweier Menschen, die sich eigentlich schon längst auseinandergelebt hatten.

Mich erschreckt dabei eigentlich nur noch der Unterhaltungsfaktor solcher Sendungen. Klar, jeder von uns behauptet, Sendungen wie diese lägen unter seinem Niveau, keiner kennt die Formate wirklich im Detail, aber irgendwie habe ich immer wieder das Gefühl, fast jeder kann mitreden.

Und ganz ehrlich: Ja, es macht Spaß! Gerade, wenn man es gemeinschaftlich konsumiert und sich in höheren Wogen des Niveaus zu wägen meint. Und wenn man einen Mieter hat, dessen Abspielgerät über einen ganzen Meter Bildschirmdiagonale verfügt.

Leugnen Sie ruhig weiterhin ihre Kenntnisse der deutschen Sendeformate. Ich glaube Ihnen kein Wort!

PS: Das heutige Bild zeigt einen meiner liebsten Dekorationsgegenstände in des Mieters Wohnung.

Spezies Mensch


Es gibt kaum eindeutigere Statements und Aussagen der menschlichen Spezies über sich selbst, als die durch fahrerisches Verhalten an den Tag gelegten.


Einserseits der immer wieder kritisierte und damit auch klischeebehaftete, mercedesfahrende Renter mit Huz, der wohl unser aller Leben schon mal bereichert hat, andererseits die Fans der Kunst des Autoumgestaltens, die uns in einer dichten Rauchwolke und ohrenbetäubenden Motor- und Soundanlagensounds zurücklassen.

Wo auch immer man sich zwischen diesen beiden Extremen einordnet, eines haben alle diese Gruppen gemeinsam und so zeichnen wir über einfachste Verhaltensweisen im Verkehrsfluss einen Querschnitt der Gesellschaft: Über die anderen lässt es sich herrlichst ereifern.

Das Bild ist übertragbar auf Politik, Wirtschaft, Liebe, Freizeit, was auch immer. 

So kann es sein, dass der Anzugträger von heute morgen, der mir in seinem langen BMW die Vorfahrt nahm, einen gewissen Ausgleich zum eher lauen Liebesleben mittels Prollogehabe auf unseren Straßen sucht.

Der bärtige Mann am Steuer des vielfach verbeulten Escorts hingegen geht das Fahren an sich sehr gemütlich an, durch den Aufkleber "Ich bremse auch für Tiere" versucht er jedoch offensichtlich, über die schlechte Umweltverträglichkeit seines KFZs hinwegzutäuschen.

Es ließen sich noch diverse Beispiele anführen, was bleibt ist jedoch der Eindruck, dass das Autofahren an sich die Kunst der Selbstverwirklichung im Alltag mittels Hobby oder Beruf zu ersetzen scheint. Und das macht mir etwas Angst, muss ich gestehen.

Das Flenst!

Habe den gesamten Abend in einem Raucherraum verbracht, der eigentlich ein Nebenraum sein sollte, aber... naja, lassen wir das, wir wollen ja niemanden verpetzen.


Gleich zu Beginn setzt sich neben Wogi und mir schräg gegenüber ein stämmiger Arbeiter auf den überfordert wirkenden kleinen Stuhl und beginnt damit, insgesamt an die neun Flens zu vertilgen. Der Mann ist vom Leben gezeichnet, es ist nicht mehr nötig, Wert auf das äußere Erscheinungsbild zu legen.

Eine zerzauste, von Geheimratsecken durchzogene Frisur, dunkel, und ein Dreitagebart der ursprünglich mal Schnauzer mit Verlängerung bis zum Kinn und Kotletten bis unter die Kieferknochen gewesen zu sein scheint, ziert das faltige Gesicht mit den trüben Augen.

Unter dem karierten Baumwollhemd, in schlichtem Blau und Schwarz gehalten, trägt er ein Jeanshemd, worunter ein weißes Feinrippunterhemd erscheint, sein Kleidungsstil wird von einer olivgrünen Thermohose komplettiert.

Nur selten meldet er sich zu Wort, eine Zigarette nach der anderen verschwindet im Schlund seiner Luftröhre. Kaum hat er eine Flasche gelehrt, stellt die Bedinung bereits die nächste ab. Am Ende des Abends ist sein Zustand so desaströs, dass er nicht mal mehr merkt, dass die Bedienung den Aschenbecher samt eingeklemmter Zigarette austauscht. Sein Blick ist ohnehin nur noch auf seine... Oberschenkel gerichtet, wo sich vom langen Sitzen die Hose einen immer engeren Halt an diversen Weichteilen, die sich sogleich abzeichnen, sucht.

Später fällt er mir noch fast vors Auto, als er schwankend, nahezu künstlerisch tänzelnd, den Heimweg antritt.

Auf der Toilette verschwindet ein junger Mann in die Nebenkabine, der mich offensichtlich nicht bemerkt hat. Seine letzten Worte waren "pörumüölüpaaa scheiß Äbbloar!", womit sich hier ein typisch hessisches Getränk endlich verbloggen lässt.

PS: Auf ein Bild verzichte ich heute aufgrund eines leeren Kameraakkus und der Tatsache, dass meine Beschreibungen meiner Meinung nach (und das nicht ohne Stolz) nahezu Fontaneschem Realismus gleich kommen. Aber nur fast.

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