Umzug!
Der ewige K(r)ampf
Es gibt Momente im Leben, die definitiv nicht mit dem bis dahin als möglich erachteten übereinstimmen. So komme ich also in die bizarre Situation, einen Anruf von Wogi zu erhalten, der mich dazu einläd, mit nach Marburg zu fahren.

Eigentlich in froher Erwartung auf nette, peinliche, geistreiche, weniger geistreiche oder einfach amüsante Valentinsgrüße schlage ich heute die Kleinanzeigenseite in der Zeitung auf und finde - nichts. Zumindest nichts bezüglich des Valentinstages. Einerseits enttäuscht, bin ich sogleich erleichtert und erfreut, dass dieser eher überflüssige und hochstilisierte Tag scheinbar keinen zu hohen Stellenwert im Bewusstsein der Allgemeinheit einnimmt.
Einsam und verlassen, ganz dem Rost und Wind und Wetter ausgesetzt, verharrt in Mitten von M. eisern bzw. hölzern und allen Angriffen zum Trotz diese Dachkonstruktion. Der einzige, treu ergebene Bewohner, ein Zigarettenautomat, kämpft ebenso gegen Rost und Witterung wie seine Herberge. Ab und zu schauen, vermummt bis oben hin und daher besonders gerne im Winter, besonders im Schutze der Dunkelheit nach halb eins, einige Dorfbewohner vorbei. Besonders nach halb eins, weil die Straßenlaternen, von Müdigkeit und Träumen überfallen, selbst jede Nacht um halb eins zur Ruhe kommen und bis zum nächsten Abend keinen Mucks mehr von sich geben.
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Heute Nachmittag fahre ich ins Dorf, um ein paar Besorgungen zu machen. Am Straßenrand, gegenüber des Supermarktes, fällt mir eine Gruppe von Männern auf, die begeistert über die Straße auf das Dach des Nachbarhauses des Supermarktes schauen. Ich parke, steige aus und versuche so unauffällig wie möglich einen Blick auf besagtes Dach zu erhaschen. Ich linse, schaue, starre, recke meinen Hals, verändere meinen Standort, nutze jedes Gelenk meines Körpers um herauszufinden, was dieses Dach so besonders macht. Gleichzeitig arbeiten meine Synapsen in nahezu übermenschlichem Engagement daran, einen Vergleich zum möglicherweise veränderten Dach der Vergangenheit herzustellen. Nichts davon hilft. Im Gegenteil. Ich muss mich mit einem netten Lächeln und einem Kopfnicken zum Gruße bei den fünf Männern auf der anderen Straßenseite sogar noch für mein behämmertes Verhalten rechtfertigen und beschließe, dass mich das alles gar nicht erst interessieren sollte.
Labels: Alkohol, Anonym, Menschen, Supermarkt
Ein anonymes Blog und die Aufgabe, ihn einzuleiten. Noch kann ich mir kaum eine anspruchsvollere Aufgabe vorstellen, aber ich stehe ja noch am Anfang. Viel werde ich nicht preisgeben, was mich persönlich anbelangt. Der geografische Standort des Autors ist in Hessen einzuordnen, Name, Alter sowie Aussehen bleiben zumindest vorerst unbekannt, wobei erwähnt sein sollte, dass aufgrund des Pseudonyms des Autors nicht auf dessen Alter geschlossen werden sollte. Es sind die Kleinigkeiten, die das Leben besonders machen und gerade hier, in einer scheinbar eher farblosen Umgebung, sind eben diese unverzichtbar. Mit dem festen Vorsatz, in einer gewissen Regelmäßigkeit und mit Disziplin "Leidensgenossen" und interessierten Mitmenschen den Tag ein wenig zu versüßen soll dies also der Start in eine neue Ära sein.
Bild: http://www.nationalflaggen.de/
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